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Alchemie und Mystik

Verfasst von wortman am März 22, 2008

Es wird sich zeigen, dass es gar schwierig ist, zu erkennen, welche Eigenschaften jedes Ding in Wirklichkeit hat.
(Damokrit, 8 Jhd. v. Chr.)

Das Universum oder die Große Weltordnung wurde Platon zufolge vom Schöpfergott als Manifestationen und Abbild seiner eigenen Vollkommenheit geschaffen: “(…) und so bildete er sie als ein einziges sichtbares Lebewesen, das alle ihm verwandten Geschöpfe in sich schließt (…). Durch Drehung gestaltete er sie kugelförmig (…), gab ihr also diejenige Figur, die von allen die vollkommenste ist.”
(Timaios, ca. 410 v. Chr.)

In Anspielung auf das göttliche Schöpfungswerk und den in ihm angelegten Heilsplan wurde der alchemistische Prozeß als “Großes Werck” bezeichnet. In ihm sollte eine rätselhafte chaotische Ausgangsmaterie, materia prima genannt, in der sich die Gegensätze noch unvereint in heftigstem Widerstreit befinden, allmählich in einen erlösten Zustand vollkommender Harmonie überführt werden, den heilkräftigen “Stein der Weisen” oder Lapis philosophorum: “Erstlich setzen wir zusammen, danach faulen wir aus, das Ausgefaulte lösen wir auf, das Geteilte reinigen wir, das Gereinigte vereinigen wir und verfestigen es. Auf diese Weise wird aus Mann und Weib Eins.”
(Büchlein vom Stein der Weisen, 1778)

“Die Welt ist in erster Linie die Gesamtheit von allem, bestehend aus Himmel und Erde (…). Im zweiten mystischen Sinn aber wird sie passenderweise als Mensch bezeichnet. Denn wie jene aus vier Elementen zusammengewachsen ist, so besteht dieser aus vier Temperamenten (…).”
(Isidor von Sevilla, 560-636, De natura rerum)

“Das Wesen Gottes ist wie ein Rad (…), je mehr man das Rad ansiehet, je mehr erlernet man seine Gestalt, und je mehr man lernet, je größere Lust hat man zu dem Rad (…).”
(J. Böhme, 1612)

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