Radieschen
Verfasst von wortman am März 22, 2008
Es sah wie ein plakativer Protest aus, doch das war es keineswegs. Hier zu sitzen und nachzudenken war nicht Ausdruck für irgend jemand sondern für etwas - etwas was für den Rest der Welt voraussichtlich deswegen nicht verständlich war, weil generell kaum noch etwas für so wichtig erachtet wird, dass es sich dafür lohnt, sich, während einem der Regen ins Gesicht peitscht, auf kalten Steinen sitzend zu überlegen, nicht warum, sondern wofür verschiedene Dinge einfach passieren.
Wofür zum Beispiel manche Situationen, trotz der angeblich ach so gerühmten Zivilisation ohne Vorankündigung und jede Logik doch entstehen - wozu man etwas aus Zusammenhängen lernen soll, die streng genommen gar keine sind - für was man erkennen muss, dass die Vergangenheit gar keine feste Größe, sondern eine wabernde, sich mit jedem Tag neu verformende Masse darstellt, die jeder Rationalität widerspricht.
Manchmal sollte man doch mit der Hypertrophie seiner Rasse brechen.
Man stelle sich sinnigerweise doch einmal vor, wie ein Radieschen mit Ödipus und psychischen Konflikten überlegt, wie es verhindern kann, als Dekoration auf einer Fleischplatte zu enden.
Ungeachtet der Tatsache, dass seine Überlebenschancen in dieser Funktion doch relativ hoch wären, und es ansonsten doch nur sinnlos vertrocknen oder erfrieren würde, wäre das Radieschen voraussichtlich an dieser sehr herzlosen Sicht seiner Lebenssituation weniger als nur nicht interessiert.
So spielt wohl doch die eigene individuelle Einschätzung, die man selber meist nicht versteht, eine übergeordnete Rolle in der Welt - fragen Sie das Radieschen!