Wortman

Willkommen in den WortWelteN

Open Air: Die Zauberflöte

Posted by Wortman - 16. August 2009

Ein sehr junges Ensemble präsentierte gestern Abend auf der Burg Trausnitz die Oper „Die Zauberflöte“ von W. A. Mozart. Zu den Klängen der Ouvertüre hatte zunächst ein Äquilibristik-Duo einen recht beeindruckenden Auftritt. Der Jongleur, der gleichzeitig auftrat, wirkte dagegen völlig fehl am Platz.
Dann folgte der erste Auftritt des Prinzen Tamino. Dabei kämpft er gegen eine Schlange, bildhaft dargestellt durch eine sehr gute Tuchakrobatin. Leider kämpfte er auch mit den Tönen. Er wird dann gerettet durch 3 Damen und die Ohren der Zuschauer durch einen sehr gelungenen Auftritt der drei jungen Sängerinnen. Eine nette Idee war es, den gesanglich und schauspielerisch sehr guten Papageno zuerst im Zuschauerraum auftreten zu lassen, wo er auch seine erste Arie sang. Nachdem der Tamino gnadenlos die wunderschöne Arie „Das Bildnis ist bezaubernd schön“ in den Sand gesetzt hatte, kam der erste Auftritt der Königin der Nacht, die eindrucksvoll bewies, dass sie ein echter Koloratursopran ist. Auch die Pamina überzeugte durch eine tolle Darbietung. Der Mohr Monostatos sollte dringend etwas gegen seine extrem feuchte Aussprache unternehmen und auch gesanglich konnte er nicht überzeugen, dafür war seine schauspielerische Leistung aber wirklich gut. Fehlt noch Sarastro. Dessen Darbietung kann man als durchwachsen bezeichnen. Man merkte leider immer wieder, dass er die tiefen Töne einfach nicht schaffte, obwohl er ein wirklich guter Sänger ist, aber eben kein echter Bass. Die drei Knaben, dargestellt durch drei Frauen, waren, bis auf eine Ausnahme, recht durchschnittlich. Einige Chormitglieder wirkten bei ihren Auftritten regelrecht gelangweilt. Die Papagena kann leider nur schauspielerisch beurteilt werden (war gut), da ihre einzige Arie aus unerfindlichen Gründen unter den Tisch fiel. So wie auch der letzte Auftritt der Königin der Nacht. Zur Ehrenrettung des Tamino sei noch gesagt, dass er sich im Laufe der Aufführung noch etwas steigerte. Trotzdem hat er noch viel zu lernen.
Im Großen und Ganzen war es eine gelungene Inszenierung, die sich durch ihre klassische Ausstattung wohltuend von den modernen, minimalistischen Inszenierungen abhebt und gezeigt hat, dass es durchaus hoffnungsvollen Opernnachwuchs in Deutschland gibt.

Ein einziges Desaster war dagegen die Organisation, woran aber nicht nur die Organisatoren Schuld tragen, sondern auch die Stadt Landshut, die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung und vermutlich der Besitzer der ehemaligen Stallungsgebäude auf dem Burggelände. Auf Nachfragen bei der Verwaltung der Burg und der Touristinfo der Stadt Landshut erhält man die Auskunft, dass die Parkmöglichkeiten auf der Burg sehr begrenzt sind und dass es keinen Shuttle-Service vom Hauptparkplatz auf den Berg gibt. Also fährt man sehr früh los, um einen Parkplatz zu ergattern, was auch geklappt hat. Der Weg zum eigentlichen Veranstaltungsort war leider überhaupt nicht ausgeschildert. Als wir ihn dann glücklich gefunden hatten, mussten wir noch warten, da erst um 19 Uhr Einlass war. Die Plätze waren schnell gefunden (andere hatten da weniger Glück) und dann möchte man ja gerne noch was trinken, bevor die Vorstellung beginnt. Tja, ging aber leider nicht, es sei denn, man hätte Lust gehabt, zur Burgschänke zu gehen, was hin und zurück ca. 30 Minuten gedauert hätte. Denn der direktere Weg war von einem sehr unfreundlichen Wachmann abgesperrt und Catering gab es nicht. Auf Nachfragen stellte sich heraus, dass die Veranstalter ihre eigenen Catering-Service haben, aber dass der Vermieter des Geländes nicht erlaubt hat, dass die Wagen nach oben gebracht werden. Ebenso stellte der Transport der Bühne, der Technik etc. ein Problem dar, da alles mit VW-Bussen transportiert werden musste. Da fragt man sich aber schon, warum solche Fragen nicht bei der Anmietung des Veranstaltungsorts abgeklärt wurden. Auch fragt man sich, wo die angekündigten pyrotechnischen Effekte, das Abschlussfeuerwerk und die echten Tauben blieben. Wurden die auch nicht genehmigt? Vielleicht wurden ja auch die beiden fehlenden Arien verboten? Das klingt für mich alles nach einer ziemlichen Verarschung des zahlenden Publikums. Der Rückweg zum Parkplatz war dann auch noch recht abenteuerlich. Die Beleuchtung war größtenteils nicht vorhanden bzw. recht dürftig. Wenn irgendwo zu erfahren gewesen wäre, dass der Weg zur Veranstaltung durch den Hofgarten führt und kaum beleuchtet ist, hätte man ja eine Taschenlampe mitgenommen. Aber außer den Preisen für die Karten waren ja keinerlei Informationen zu bekommen. Und dann kommt man zum Parkplatz und was steht da? Shuttle-Busse, die völlig leer in Richtung Stadt fuhren, was natürlich daran liegen könnte, dass kein Mensch von deren Existenz wusste. Stattdessen gab es ein Riesenchaos auf dem völlig überfüllten Parkplatz. Abschließend kann man sagen, dass man Veranstaltungen der „Lux concerts GmbH“ besser meiden sollte, denn im Endeffekt ist der Veranstalter dafür verantwortlich, schon im Vorfeld für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen.

© 2009 S. F.

Werbeanzeigen

19 Antworten to “Open Air: Die Zauberflöte”

  1. Das hört sich ja alles nicht so gut an. Hoffentlich habt ihr euch dadurch nicht den Abend verderben lassen. Man hat manchmal das Gefühl Organisation ist Glückssache. Hoffentlich war die örtliche Presse da und schreibt einen passenden Artikel.

    • Wortman said

      Gut war die Aufführung schon, aber ein Opernkenner schaut anders als ein Gelegenheits-Gucker wie ich. Deswegen stehen ja auch nicht meine Initialien unter dem Text.

  2. Elisabeth said

    Lieber Torsten,
    wie abenteuerlich!!! Als begeisterte Theatergeherin schon von Kindesbeinen an, bin ich so einiges gewohnt – vor allem bei Aufführungen junger Ensembles bei Sommertheatergeschichten. Daher bin ich wenig überrascht, dafür umso mehr amüsiert über deinen Bericht! Gut, dass du kein Theaterkritiker bist, auf dessen Kritik die Künstler ihr Sein oder Nichtsein bauen… 😉 Ich kann mir das so gut vorstellen jetzt, so als ob ich selbst dabei gewesen wäre – ich hoffe, ihr habt dabei auch Spaß gehabt!? 🙂
    Ich wünsche euch einen wunderschönen Sonnensonntag!
    Alles Liebe von Elisabeth

    • Wortman said

      Doch, Spaß hatten wir genug und allein die „Königin der Nacht“ und Papageno haben alles raus gerissen.
      Gespannt war ich auf ein Lied, dass die Königin singt, weil es sehr schwer ist – deswegen auch nur als echter Koloratursopran zu schaffen ist. Das hat sie mit Bravour gemeistert. Ärgerlich war eben nur, dass die Arie zwischen Papageno und Papagena einfach weggelassen wurde. Das mit mit eines der schönsten Stücke.

      • Wortman said

        Die Rezi stammt von meiner Maus 🙂 Sie wäre die geborene Theater-Opern-Kritikerin.
        Sie kennt die meisten Opern, war schon X-mal in der Arena von Verona usw. und hat Theater gespielt. Deswegen stehen auch ihre Initialien unter dem Text 🙂

  3. tonari said

    Ist wirklich blöd, wenn eine schon sonst nicht so überzeugende Veranstaltung auch noch durch dilettantische Organisation getoppt wird. Wenigstens hattet ihr keinen Regen, oder?

  4. schanzenbach said

    ! SCHADE ! DU hättest einen schöneren Abend verdient (hast dich doch so drauf gefreut).
    Gut finde ich, dass du die Verantwortlichen beim Namen genannt hast. Hoffentlich sind die Leutchen lernfähig

    • Wortman said

      Das Stück war im großen und ganzen schon gut. Es fehlten halt einige der angekündigten Sachen bzw. zwei Lieder. Wobei eines davon schon sehr wichtig gewesen wäre.
      Mich enttäusche am meisten die angekündigten Feuerjongleure. Es war einer, der mit läppischen drei Fackeln hantierte… Das kann jeder Jongleur-Anfänger.
      Sehr gut war die Tuchakrobatin, die am Ende noch eine Vorstellung gab und dann mit den Tüchern ein Tor bildete, durch das Tamino und Pamina sozusagen bildlich ins Licht gingen.

  5. Angie said

    Zu sowas würde ich auch gern mal hingehen. Das ist schade, wenn die Organisation schlecht ist.
    Zauberflöte mag ich sehr. War die Musik denn gut?
    (Ich rede meiner Tochter da auch nicht rein mit der Schule *g*. Da hast du Recht mit den Eltern. Sie wird schon wissen wann sie was macht. Mit Real bekommt sie ja auch recht gute Ausbildungsplätze.)
    LG und einen schönen Sonntag
    Angie

  6. Wortman said

    Die Musik war erstklassig und hatte mit Roland Mell einen hervorragenden Dirigenten.

    Drängen und fordern bei den Kindern bringt eh nichts. Wenn sie selbst es nicht merken, dass sie nur für sich und für niemanden anderen lernen, kannst du eh machen was du willst, es wird keine Erfolge geben.

  7. horus1969 said

    Sehr amüsant geschrieben! Das Leben ist ein Theater …

    „und wenn Du den Eindruck hast, dass das Leben ein Theater ist, dann suche Dir doch eine passende Rolle aus, die Dir wirklich Spaß macht …“ (William Shakespeare)

  8. Schade, daß die mangelhafte Organisation dieses herrliche Stück quasi in den Sand gesetzt hat. Auch ich finde es sehr mutig und gut, daß Steffi den Namen des Veranstalters offen darlegt. In der heutigen Zeit wird man so oft verarscht, für dumm verkauft und übers Ohr gehauen, daß man es sich wirklich abgewöhnen sollte, sich noch anstandshalber ein Blatt vor den Mund zu halten.

    • Wortman said

      Recht muss irgendwo recht bleiben, oder? Es kann z.B. absolut nicht angehen, dass die Touristinfo felsenfest erklärt, es gibt keinen Shuttleservice, man deswegen schon 2 Stunden vorher los fährt um einen geeigneten Parkplatz zu finden und am Ende stehen 2 Shuttlebusse an der Burg – und niemand wusste davon.

  9. theomix said

    Organisatorisches Desaster und schaumgebremste Begeisterung. Das sind die Streiche, die einem das Leben stellt. Schön, dass du es ansonsten heiter nimmst.

  10. […] Die liebe Freidenkerin kommt uns besuchen. Besuch der „Zauberflöte“ als Open Air Veranstaltung auf der Burg Trausnitz in Landshut. Meine große Tochter und ihr […]

  11. […] 31. Wann warst du zuletzt auf einem Konzert? Konzert – wenn es um “musikalisches Kabarett” geht, dann im Juni 09 bei der Altneihauser Feuerwehrkapell’n. Wenn es rein um Musikalisches geht, dann im August 09 bei der “Zauberflöte“. […]

Trau dich! Lass paar Worte da... Indem Du die Kommentarfunktion nutzt, erklärst Du Dich mit der Verarbeitung Deiner angegebenen Daten durch Automattic, Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: