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Goban und Caseal Teil 1

Posted by Wortman - 19. Juli 2020

Ein warmer Windhauch strich über die kleine Lichtung am Rande des Dorfes. Eine große Schar Kinder saß im Halbkreis um einen alten Mann. Es war Karoc, der Geschichtenerzähler.
„Was möchtet ihr denn hören?“
„Erzähl uns von Goban“, riefen ein paar Jungen.
„Und von Caseal, der Lady aus Elemeré“, forderten einige Mädchen.
Der Alte lächelte: „Ihr habt einen guten Geschmack was Geschichten angeht. Dann lasst mich nun erzählen von Goban und Caseal, der Finsternis und dem Licht und einer ewigen Liebe“

In den südlichen Ländern lebte eine junge, schöne Frau. Ihr langes graues Haar glänzte in der Sonne, wenn sie in den Gärten von Elimeré umherwanderte. Elimeré, der kleine Landstrich an der Grenze zu Tagorien. Bei einem ihrer Ausritte stellten sich ihr drei Wegelagerer in den Weg. Bevor sie reagieren konnte, stürzten die Räuber sich auf sie und rissen die Frau vom Pferd. Zwei der Männer hielten sie fest, während der Dritte ihre Satteltaschen durchsuchte.
Wie aus dem Nichts stand er da! Ein Ritter in einer unbekannten Rüstung. Die Wegelagerer ließen von der Frau ab und stürzten sich mit lautem Geschrei auf den Fremden. Der hielt ein seltsames Schwert in der Hand und als er zuschlug, glaubte Caseal etwas zu hören. Ein leiser Gesang drang an ihr Ohr, als die Klinge dem ersten Angreifer den Kopf von den Schultern trennte. Nur Momente später lagen auch die anderen beiden Angreifer tot am Boden.
Erschrocken schaute Caseal zu den Toten.
„Ich stehe in eurer Schuld edler Herr.“
Sie erhielt keine Antwort und blickte in die Richtung, wo der Fremde stand. Doch sie war allein. Ihr Lebensretter war verschwunden.

Zurück in Elimeré ließ ihr der fremde Ritter keine Ruhe. Sie gab jeden, der nach Elimerè kam, eine Beschreibung des Unbekannten und fragte, ob sie etwas über diesen Mann wussten. Doch niemand konnte ihr eine Antwort geben. So vergingen mehrere Monate in denen Caseal immer wieder durch den Wald ritt, in der Hoffnung, ihren Retter wiederzusehen.
Der Sommer neigte sich dem Ende zu, als Reisende aus Venturien nach Elimeré kamen. Das Land lag sehr weit oben im Norden und nur selten kamen Menschen aus dieser Gegend in die südlichen Länder.
Caseal ging auf eine kleine Gruppe venturischer Händler zu. Sie beschrieb den schwarzen Ritter und fragte sie ebenfalls, ob sie ihn kannten. Viel Hoffnung war ihr nicht mehr geblieben. Um so überraschter war die junge Frau, als ein älterer Mann nickte.
„Ja Herrin, ich kenne ihn.“
Caseals Herzschlag beschleunigte sich.
„Sagt, wer ist dieser Ritter?“
„Eigentlich ist er eine Sage, Herrin.“
„Eine Sage? Ich sah ihn doch kämpfen. Für eine Sage war er sehr lebendig.“
Der alte Mann wirkte nachdenklich und zupfte dabei an seinem Bart herum.
„Es ist kein gutes Zeichen, dass er wieder da ist“, murmelte der Alte.
„Wieder da? Ihr sprecht in Rätseln.“ Caseal war verunsichert.
„Nun Herrin, ihr seid Goban begegnet. Seit zweihundert Jahren hat ihn keiner mehr gesehen. Daher ist der Name zu einer Sage geworden.“
Das Herz der jungen Frau raste immer noch, als sie den Händler bat, ihr alles zu erzählen, was er über Goban wusste. Dafür nahm sie ihn mit zur kleinen Taverne. Nachdem der Mann einen guten Schluck Wein getrunken hatte, fing er an zu erzählen.
„Vor allen Ewigkeiten, am Anbeginn der Zeit war Goban ein Krieger der Finsternis. Eines Tages verliebte er sich in den Anmut einer Menschenfrau namens Caseal. Sie zeigte ihm das Licht. Das war verboten und so ließ der Herrscher der Finsternis die Frau töten. Goban kam zu spät und als er die Sterbende in seinen Armen hielt, versprach er ihr, dass sie sich in einem anderen Leben, in einer anderen Zeit wiedersehen würden. Goban verbrannte die Tote und etwas von ihrer Asche steckte er in einen Beutel, den er fortan immer bei sich trug. Er wandte sich ab von der Finsternis und bekämpfte sie wo immer er auf deren Kreaturen traf. Seit dieser Zeit sucht er seine Geliebte in allen Leben und Zeitaltern die da waren und sein werden.“
Caseal hatte das Gefühl, ihr Herz würde stehen bleiben. Diese Frau, die Goban suchte, trug den gleichen Namen wie sie. Ihre Gedanken wirbelten durcheinander. Sie schwankte bei der Namensgleichheit zwischen möglicher Bestimmung und purem Zufall. Sollte eine Wiedergeburt tatsächlich möglich sein? Die Frau schaute den Händler fragend an.
„Glaubt ihr, es bedeutet etwas, dass Goban jetzt wieder auftaucht?“
Ihre Stimme klang seltsam ruhig und doch spürte man eine gewisse freudige Erregung darin.
Der alte Mann schüttelte den Kopf.
„Ich weiß es nicht Herrin. Es sind unruhige Zeiten. Vielleicht formiert sich die Finsternis neu.“

Vier Tage waren vergangen nach dem Gespräch mit dem Händler. Goban! Der Name hatte sich in ihre Seele gebrannt. Letzte Nacht wachte sie auf, weil sie im Schlaf seinen Namen rief. Je länger sie darüber nachdachte, glaubte sie immer weniger daran, dass alles nur Zufall sei. Der Mond strahlte hell durch das Turmfenster von Caseals Schlafgemach als sie sich schlafen legte. Ein kühler Windzug streifte ihr Gesicht. Sie hatte das Gefühl, als würde sie beobachtet werden. Ihr Blick konnte im Zimmer aber nichts ungewöhnliches entdecken. Schnell schlief sie ein.
Die Sonne stand schon hoch am Himmel. Wieder ritt sie in den Wald, in der Hoffnung den schwarzen Ritter wiederzusehen. Mehrere Stunden verbrachte sie im Wald. Im Galopp machte sie sich auf den Rückweg. Sie sah Goban wie ein Flackern aus den Augenwinkeln am Wegesrand stehen, spürte ihn mehr, wie ein Kribbeln auf der Haut. Sie hielt ihr Pferd und drehte sich im Sattel um.
Goban war verschwunden.
In dieser Nacht schlief die junge Frau kaum. All ihre Gedanken drehten sich nur um den schwarzen Ritter. Das Gefühl, beobachtet zu werden blieb, aber es war nicht mehr so erschreckend oder unangenehm.

© 2006/20 T.R. aka Wortman

11 Antworten zu “Goban und Caseal Teil 1”

  1. Wortman said

    Wortman, der Mann von Jenseits des Happy Ends wird sentimental… oder wie sieht das aus? 😆

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