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Die geheimnisvolle Insel Teil 10

Posted by Wortman - 22. Juli 2020

„Ich gehe wohl recht in der Annahme, dass ihr den Namen Halpin weiter tragen und auch so angeredet werden wollt, oder?, fragte Bolger.
„So ist es Andrew. Es muss nicht jeder wissen wer ich wirklich bin.“
„Das kleine Ding hat sicherlich noch größere Verwandtschaft. Was kann diese Kreatur anrichten?“
„Nein“, konterte Halpin, „Es gibt keine großen Verwandten. Diese Wesen sind so klein. Die Eingeborenen auf der Insel nennen sie Darys Visna, die Götter der Toten und Alptraum der Lebenden!“
John schaute etwas irritiert. „Was ist das für eine Bezeichnung?“
Halpin setzte sich auf einen der Stühle. „Sie fressen sich durch die Haut und fressen einen von innen heraus auf. Wenn derjenige stirbt, fressen sie sich wieder nach außen um ein neues Opfer zu finden. Daher der Begriff Götter der Toten, da sie aus ihnen heraus brechen. Der Alptraum der Lebenden erklärt sich von alleine. Zum Glück sind sie tagaktiv. Sonst würde wohl niemand mehr schlafen auf der roten Insel.“
„Rote Insel?“ Bolger und sein Quartiermeister fragten fast gleichzeitig. Dieser Begriff war ihnen nicht unbekannt. Schauermärchen gab es von dieser Insel. Sie sei so rot, weil das Blut eines Dämons dort vergossen worden war. Selbst das Wasser war zeitweilig rot. Krokodile in Menschengestalt streiften über die Insel und töteten alle, die diese Insel betraten. Im Inneren der Insel saß ein weiterer Dämon der eine Truhe mit einer wundersamen Waffe bewachte.
„Diese Insel ist ein Schauermärchen um Kindern Angst zu machen. Ein Hirngespinst. Niemand hat bisher diese Insel gesehen. Sie ist und bleibt ein Märchen,“ sagte Bolger im Brustton der Überzeugung.
Halpin griff in seine Manteltasche und holte eine kleine Rolle hervor.
„Was ist das,“ fragte John.
Andrew Bolger nahm die Rolle und breitete sie auf dem Tisch aus. Es war die Karte einer Insel, diverse Markierungen und Zeichen waren dort eingezeichnet.
„Captain Valmont, wollt ihr behaupten, dass wäre die Lagekarte der roten Insel?“, Bolger lehnte sich vor und betrachte die Karte stirnrunzelnd, „warum ist sie auf so seltsames Leder gemalt?“
„Das ist die rote Insel. Dort findet sich die Waffe um den Schwarzen Herzog ein für alle Mal auszulöschen.“ Halpin grinste selbstzufrieden. „Und das ist kein seltsames Leder, Andrew. Das ist Menschenhaut!“
„Menschenhaut?“ Bolgers Gesichtszüge sprachen Bände.
„Ja, Menschenhaut“, widerholte Halpin, „sie war einem Seemann auf den Rücken tätowiert. Als er das Zeitliche segnete, haben meine Männer ihm die Karte abgenommen.“
John verzog angewidert das Gesicht.
„Wenn die Insel tatsächlich existiert und wir eine Chance haben, den Herzog zu erledigen, dann lasst uns segeln!“, Bolger schlug mit der Faust auf den Tisch.
John betrachtete die glänzenden Augen der Männer skeptisch. Auch er wollte nichts lieber als den schwarzen Herzog am höchsten Mast hängen sehen, andererseits fragte er sich, welches Ziel Halpin verfolgte, nachdem der anfangs nicht besonders zugänglich gewesen war. John befürchtete, dass Bolger von dem unglückseligen Fieber des Alten angesteckt wurde, und nicht mehr klar erkennen konnte, welchen Zweck sie verfolgten.
Er glaubte nicht an die Ammenmärchen, die man über die Insel erzählte, aber dieses kleine rosa Ding, flößte ihm einen gewissen Respekt ein. Noch nie hatte er so ein merkwürdiges Wesen gesehen.
„Nun Mister DeMoor, ich habe den Eindruck ihr seid nicht begeistert?“, Captain Bolger sah seinem Quartiermeister die Vorbehalt an. „Es geht das Gerücht, der schwarze Herzog hat sich die Dienste einer üblen Hexe gesichert. Ich denke, wir können jede Hilfe gebrauchen, die wir kriegen können.“
„Ja, Sir“, erwiderte John, „ich hörte davon. Madame Isadora.“
„Dann sollte vor ihr auf der Hut sein“, Halpin legte die Stirn in Sorgenfalten. „Mit der Hexe ist nicht zu spaßen. Sie hat einst die Aurora in einen Sturm gejagt, der uns beinahe auf den Grund des Meeres gebracht hätte, wenn wir nicht einen so ausgezeichneten Steuermann gehabt hätten.“
John wollte noch etwas sagen, aber Captain Bolger ließ ihn nicht zu Wort kommen.
„Sagen sie der Mannschaft wir setzen Segel, Mister DeMoor!“
John nickte.
„Ja, Sir. Was soll ich mit dem Fremden anstellen? Unter Arrest setzen?“
Bolger lachte.
„Auf See kann er uns nicht entkommen und ein paar kräftige Hände mehr schaden nicht. Sie sind für ihn verantwortlich und behalten ihn im Auge!“
„Verstanden, Sir.“
John nickte und verließ die Kajüte des Captains.
An Oberdeck wartete Morris auf ihn.
„Was passiert jetzt mit mir?“
„Der Captain sagt, zwei helfende Hände können wir gebrauchen.“ John grinste Morris an. „Geh mit an die Ankerwinde. Wir segeln los.“
DeMoor gab einige Befehle. Der Bootsmann rief sie weiter über das Oberdeck. Die Männer kletterten in die Wanden und die Ankerkette wurde hochgezogen. Nachdem die Segel gesetzt waren, setzte sich das Schiff in Bewegung.
Als Bolger und seine Crew anfingen, war diese Brigg mit 12 Kanonen bestückt gewesen. Jeder hatte einen Teil seiner Prise gespendet und so wurde die Farragut im Laufe der letzten zwei Jahre auf 18 Kanonen erweitert. Das war eine gute Feuerkraft. Bolgers Siege veranlassten den ein oder anderen Handelskapitän dazu, sich zu ergeben, wenn Bolgers Flagge hochgezogen wurde.
Morris gesellte sich zu John.
„Wohin geht die Reise?“
„Sei nicht so neugierig Morris“, antwortete John. „Ich hoffe, du bist wenigstens geschickt im Umgang mit Waffen oder liegt dir mehr das Kanonieren?“
„Ich bleibe bei den Waffen.“
Morris hatte es fast vergessen, dass er sich auf einem Piratenschiff befand. Er war sich sicher, das hier war keine reine Kaperfahrt. Er hatte den alten Mann bisher noch nicht wieder gesehen. Was immer mit diesem Halpin war, er musste die Ohren aufhalten. Dieser Halpin schien eine Schlüsselposition inne zu haben.
Der Tag verlief ohne Zwischenfälle. Das zeigte Morris, sein Verdacht war richtig. Es ging um mehr als nur um die Jagd auf Handelsschiffe.

© Caroline Susemihl / T.R. aka Wortman

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