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Die geheimnisvolle Insel Teil 11

Posted by Wortman - 25. Juli 2020

6
Der Schwarze Herzog

Es klopfte an der Kajütentür.
„Sir“, hörte Alexander Black die dumpfe Stimme, „es gibt neue Entwicklungen, die Farragut läuft aus.“
„Ich komme gleich!“, rief er und setzte sich im Bett auf, „hol Madame Isadora aus ihrer Kajüte und bring sie her.“
„Ai, Sir.“
Er hörte wie sich sein Adjutant Alou im Laufschritt entfernte und erhob sich. Ein schadenfrohes Grinsen überzog sein ebenmäßiges Gesicht. Alou war ein schwarzer Riese, den er aus der Gefangenschaft befreit hatte, aber vor Madame Isadora zitterte er, wie ein kleines Kind. Es bereitete ihm einen diebischen Spaß Alou immer wieder mit dieser Angst zu konfrontieren und ihm seine Überlegenheit zu demonstrieren.
„Los, Schlampe“, knurrte er das Mädchen in seinem Bett an und riss ihr das Laken weg, „verschwinde.“
Das Mädchen setzte sich schlaftrunken auf. Das Lacken rutschte von ihren Schultern und gab ihren nackten Körper frei. An einigen Stellen konnte man dunkle Blutergüsse und Kratzer sehen, die gerade verschorften.
„Aber Sir“, sagte sie.
Alexander schlüpfte gerade in die glänzend gewienerten Stiefel. Das silberne Haar fiel ihm ins Gesicht. Er hob den Kopf und seine seltsamen hellgrauen Augen warfen dem Mädchen einen Blick zu, der sie verstummen ließ.
„Du wagst es, das Wort an mich zu richten“, seine Stimme war scharf wie Glas. Er richtete sich auf. Mit geschickten Fingern nahm er sein Haar zusammen und band es in einem dicken Zopf zusammen. Das Mädchen sah ihn mit schreckgeweiteten Augen an, versuchte ihre Blöße mit dem Laken zu bedecken.
„Steh auf!“, er betonte jede Silbe.
Das Mädchen verließ das Bett. Zitternd mit gesenktem Kopf stand sie da. Das lange dunkle Haar reichte bist auf ihre Hüften.
„Glaubst du, weil ich dich gefickt habe, hat sich etwas an unserer Absprache geändert?“
Sie wollte gerade den Mund öffnen, als sie ein leises Geräusch hörte, den kalten Stahl spürte, der in ihren Körper eindrang. Beinahe geräuschlos sank sie zusammen.
„Ich hätte ihr doch die Zunge rausschneiden sollen“, murmelte Alexander.
Es klopfte.
„Ja?“
„Madame Isadora, Sir“, hörte er Alou.
Die Tür wurde geöffnet. Alou führte die Hexe in die Kajüte. Er blieb in sicherer Distanz. Bei jedem Blick, den sie ihm zu warf, machte er ein Kreuzzeichen. Alexander hatte ihm zwar erklärt, dass er schon längst seine Seele an den Teufel verkauft hatte, aber das änderte nichts an Alous Schrecken.
„Nun, Madame Isadora, wie ich sehe, geht es euch gut“, sagte Alexander mit einem süffisanten Grinsen. Er gab Alou ein Zeichen mit dem Kopf in Richtung des Mädchens. „Räum sie weg“, und zu Madame Isadora gewandt, „sagt was ihr braucht, der Rest geht an die Fische.“
Isadora zog die Augenbrauen hoch.
„Zunge, Augen, Ohren und ungefähr eine Flasche Blut“, zählte sie auf.
Alou zog den Dolch aus dem Herzen der Leiche, säuberte ihn mit einem Tuch und legte ihn seinem Herrn auf den Schreibtisch, dann hob er den leblosen Körper auf und brachte ihn hinaus. Armes Kind, dachte er, noch so jung, aber wenn der Herr sie braucht, um sich gut zu fühlen, wer bin ich ihn deswegen zu tadeln.
„Nun Madame Isadora, setzt euch.“
Alexander deutet auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Die Hexe setzte sich.
„Bolger ist unter Segel und unterwegs. Nachdem, was mir berichtet wurde, scheint er nicht auf Kapertour zu sein.“
„Und ich soll euch sagen, wo er hin fahren wird?“, fragte die Hexe.
„Es geht um eine Karte. Das heißt, es handelt sich wahrscheinlich um eine Insel. Ein Schatz wäre zu banal. Da muss etwas anderes dahinter stecken.“
„Ich werde mich darum kümmern“, sagte Isadora. Sie stand auf und verließ die Kabine. Draußen im Gang stand Alou mit einer Schüssel voller Blut und einem Leinensack. Wortlos nahm die Hexe den Sack und die Schüssel und machte sich auf den Weg in ihre Kabine. Alou machte ein Kreuzzeichen als sie ihm den Rücken zukehrte.
In ihrer Kabine bereitete sie alles vor um einen Winddämon zu rufen. Mit dem Blut malte sie seltsame Zeichen und Worte auf den Kabinenboden. Ein Teil des Blutes goss sie zwischen die Worte am Boden. Danach mischte sie Blut und einige Zutaten in einem Becher und fing an in einer unbekannten Sprache zu singen. Isadora setzte sich auf den Boden, trank den Becher aus und mit schwingenden Armbewegungen sang sie weiter in dieser Sprache. Plötzlich erschien ein leichter Nebel über den Boden.
„Dämon, nimm diese Augen um zu sehen was ich sehen will.“
Damit warf sie die Augen des Mädchens in den aufkommenden Nebel. Darauf folgten die Ohren.
„Nimm diese Ohren, damit du hörst, was ich hören will.“
Zum Schluss warf die Hexe die Zunge auf den Boden.
„Nimm diese Zunge und spreche, was ich sprechen will.“
Der Nebel bekam Umrisse. Es wirkte wie eine dünne menschliche Gestalt. Die Hexe hörte mit dem Gesang auf.
„Reite mit den Winden und finde Bolgers Schiff. Ich sehe und höre was du siehst und hörst. Finde ihn schnell!“
Die Gestalt zerfiel und der Nebel entwich durch das geöffnete Fenster. Er verharrte kurz und verschwand in der Dunkelheit.
Die Hexe stand auf und machte sich auf den Rückweg zur Kapitänskajüte.
Isabell dachte an den die Quelle des Paradieses, die sich laut den Legenden dort befinden sollte. Niemand wusste davon, nicht einmal Alexander. Sie hatte dieses Geheimnis sorgsam mit einem Zauber verborgen. Einmal daraus trinken und ich könnte von allem frei sein, ging es ihr durch den Kopf, der Fluch, der mich an diesen Wahnsinnigen fesselt wäre gebrochen.
Die Hexe klopfte an die Kajütentür.

© Caroline Susemihl / T.R. aka Wortman

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