Wortman

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Short-Cuts

Die Maschine

Es war wieder einer dieser heissfeuchten Tage. Mitten im Dschungel lief Morgan Winter der Schweiß in kleinen Rinsälen den Körper herunter. Er war Mitte dreißig, groß, schlank und Archäologe. Morgan fühlte sich auf seinen Reisen immer ein wenig wie Indiana Jones. Die Filme hatte er sich während seiner kargen Freizeit schon unzählige Male angesehen.
Das er sich wieder einmal durch diesen Dschungel kämpfte, hatte einen besonderen Grund. Es wurden ihm Gerüchte zugetragen, dass ein kleiner Indianerstamm eine geheimnisvolle Maschine besitzen sollte. Das dieser Stamm als Kannibalen bezeichnet wurde, störte Morgan nicht. Ihn interessierte ganz allein nur dieses geheimnisvolle Gerät.

Nun war er schon seit vier Tagen unterwegs, und hatte noch keine Anzeichen für irgendetwas Unnatürliches entdeckt.
Morgan machte eine Pause. Er kramte sein Fernglas aus dem Rucksack und suchte die Umgebung ab. Gerade als er sein Fernglas weglegen wollte, blinkte etwas in nordöstlicher Richtung auf. Es sah aus wie die Reflexion der Sonne auf Metall. Morgan war sich sicher, dass es die geheimnisvolle Maschine sein müsste.
Es dauerte noch ganze zwei Tage, bis er den vermuteten Ausgangspunkt des Blinkens erreicht hatte. Suchend schaute er sich um. Plötzlich vernahm Morgan ein leises, aber gleichmäßiges Summen. Morgan musste grinsen. Es gab sie also doch, diese Maschine. Er ging dem Summen nach. Kurze Zeit später stand sie, in mehreren Metern Abstand, vor ihm. Eine glänzende metallene Maschine.
Er konnte diese Gerät nirgends einordnen. Sie glich keiner bekannten Maschine, egal welcher Art. Sie war mindestens zwei Meter hoch, ebenso breit und tief. Es waren auf den ersten Blick keine erkennbaren Öffnungen zu sehen. Irgendwie seltsam sah sie aus. Morgan entschloss sich, direkt an diesen Kasten heranzugehen. Als er vor ihr zum Stehen kam, hörte er ein leises Klicken.
Noch bevor er reagieren konnte, öffnete sich blitzschnell eine große Klappe, und eine Art Greifarm schoss heraus und umklammerte ihn. Morgan versuchte sich zu befreien, aber es gelang ihm nicht. Gleichzeitig zog der Greifarm ihn unaufhörlich ins Innere hinein. Nachdem er völlig in diesem Ding verschwunden war, fing die Maschine an zu vibrieren sowie eigenartige Geräusche von sich zu geben. Nach kurzer Zeit verstummte der Kasten, und eine Art Klingeln war zu hören.

Ogave der Stammeshäuptling und Ugami der Medizinmann, kamen auf die Lichtung. Sie liefen zu der Maschine. Ugami schaute seinen Häuptling an:
„Die Maschine ist verstummt. Gleich werden wir es wissen.“
Einen Moment später öffnete sich eine andere Klappe an dem Gerät.
Ogave lachte.
„Siehst Du Ugami. Das nennt man Automation!“
Aus der Klappe fielen sechs Konservendosen zu Boden.

© 2000 by T.R. aka Wortman

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Gefangen

Da war es wieder. Wie er es haßte. Es, dieses leichte Vibrieren unter seinen Füßen. Jedesmal, wenn diese Vibrationen verstummten, dauerte es wieder nur Sekunden, bis etwas Metallisches in ihn eindrang. Manchmal auch sehr schnell hintereinander.
Dann wurde ihm wieder einmal bewußt, daß er wohl ewig gefangen war.
Wieder einmal versuchte er, was er für seine Beine hielt, in Bewegung zu setzen. Doch sie rührten sich nicht. Wie gerne würde er fortlaufen. Irgendwohin, wo es ruhig, friedvoll und schön war. Wo er nicht mehr mit diesen metallenen Dingern malträtiert wurde. Wo er ganz er selbst sein konnte.
Seine Augen. Jeder Versuch, etwas zu sehen, endete mit der Erkenntnis, wieder einmal nur seltsame, kleine bunte Bilder wahrzunehmen, die sie mochten. Sie, die ihm wieder einmal dieses Metall in seinen Körper steckten.
Er wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen. Die Vibrationen waren verstummt. Schon spürte er das Metall, wie es eindrang, langsam, dann immer schneller werdend, in seinem Körper nach unten rutschte. Dann durchdrang ihn der Schmerz eines Schlages. Er versuchte sich zurückzuhalten. Doch so sehr er sich auch bemühte, es hatte keinen Erfolg. Er mußte etwas aus seinem Inneren preisgeben. Es wurde ihm sofort weggenommen.
Das Vibrieren unter seinen Füßen entfernte sich wieder. Die Ruhe kehrte zurück. Eine trügerische Ruhe. Denn jederzeit konnten sie zurückkommen. Er träumte wieder von einem Ort, wo es friedvoll war.
Irgendwann werde ich auch dort sein!
Dieser Gedanke war es, der ihn all diese Qualen erdulden ließ.

Wer sagt, daß ein Zigarettenautomat keine Seele hat?

© 2001 by T.R. aka Wortman

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Ein Morgen

Ein Morgen. Dichter Nebel lag über der Ebene. Hin und wieder tauchten Schemen im Nebel auf. Sie liefen oder krabbelten ziellos umher. Manchmal hörte man von irgendwo Schmerzensschreie.
Einer lag da, spürte seine Beine kaum. Er versuchte etwas in dem Nebel zu erkennen. Ein Schemen tauchte auf.
„Hier bin ich! Hilf mir!“
Etwas blitzte auf. Ungläubig starrte er auf die Lanze, die plötzlich und ohne Vorwarnung in seiner Brust steckte. Dann wurde es dunkel.
Ein Anderer hörte metallenen Lärm aus der Ferne. Schwerter schlugen aufeinander. Er schaffte es, auf die Knie zu kommen. Langsam krabbelte er los, den Lärm der Schwerter hinter sich lassend. Dann kam Bewegung in den Nebel. Schnell versuchte er sich aufzurichten. Der Morgenstern traf ihn von links.

Ein Morgen. Der Nebel lichtete sich langsam. Der Soldat stützte sich auf sein Schwert. Hufgetrappel kam von rechts. Er sah wehende Umhänge.
„Hoch lebe Lord Duncan!“, rief er.
Das Sirren vieler Pfeile erfüllte die Luft. Lord Duncan’s Reiter hatten keine roten Umhänge.
Der Mann zog sich den Pfeil aus dem Bein. Das Blut färbte seine Hose rot. Ein Kamerad half ihm hoch. Gemeinsam liefen sie los, der Kampflärm hinter ihnen interessierte sie nicht mehr. Sie erreichten eine Straße und kamen beim Überqueren ins Stolpern. Das Geräusch jagender Pferde erfüllte die Luft. Die Reiter wichen nicht aus.

Ein Morgen. Der Nebel war fast verschwunden. Überall lagen sie. Die Toten, die diesem Morgen seine besondere Note gaben. Das Donnern vieler Hufe zerschnitt die Stille. Das Hämmern laufender Füße gesellte sich dazu.
Wie ein Echo erschallten die gleichen Geräusche aus dem Süden.
Die Schlacht begann von vorne…

©2003 by T.R. aka Wortman

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Poesie der wortbildenden Buchstaben

„…es ist die grenze der steinwüste, die ich mit meinen mannen durchschreite; schreie der toten und raunen der ahnen, einsamkeit, wie frost im herzen, zaubert eiszapfen auch in die seele; und doch wachsam, angespannt, zum kampf bereit!…“

„…seht….ich bin durch die dunkelheit der welt gereist, durch die tiefsten aller abgründe, um nun an eurer seite zu stehen und euch in dieser welt zu beschützen…“

„…in den finsteren schatten geboren, entronnen in kampf und eisblauer kälte, ist das ewige schwarzblau des universums der meinige planet…wanderer zwischen den welten des lichts und der dunkelheit…“

…viel hab ich erlebt und getan in den jahrhunderten unserer trennung…es blieb nicht ohne spuren…gesucht hab ich euch…denn der tod hat auch eine sanfte seite…dort steht ihr und habt gewartet… all die jahrhunderte…

©2006 T.R. aka Wortman

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25 Antworten to “Short-Cuts”

  1. bluecotton said

    Hallo Wortmann, „Gefangen“ ist zum wegrennen. Alle Achtung!

  2. maja49 said

    guten morgen ich schreibe hier mal was rein
    ich will meinen gravatar testen
    klappt wieder nicht

  3. babbeldieübermama said

    Super!!!!! Bitte mehr davon.

  4. Ulf Runge said

    Gefangen. Das ist einfach nur genial! Ich kann gar nicht beschreiben, in welche verrückten Ecken der Phantasie Du mich vor dem letzten Satz geschickt hast. Genial!

    Liebe Grüße,
    Ulf

    • Wortman said

      Danke für dein Lob, Ulf. Das höre ich doch gerne 🙂
      Ich liebe solche kleinen Geschichten mit Enden, die man normal nicht erwartet 🙂

  5. Follygirl said

    Natürlich wirklich gut,,,
    —-aber ich will immer viel mehr… wenn ich kurze Storys mögen würde, dann wären es auf jeden Fall Deine…
    LG, Petra

  6. Wortman said

    Wenn das so ist – musst du wohl doch eher woanders längere Geschichten suchen 😉

  7. Anna D. said

    Himmel !!! Der Arme !
    Ich habe gerade beschlossen, meine Zigaretten nur noch am Kiosk zu kaufen. 😉

    • Wortman said

      *lach* da wird sich der Automat aber freuen, Anna 🙂
      Willkommen auf meinem Blog 🙂

      • Anna D. said

        Danke! 🙂

        Die weisse Fahne wird übrigens nicht zum Einsatz kommen 😉 Das ist ja richtig kuschelig hier bei dir. Ich hab mich schon mal häuslich eingerichtet, denn ich werd hier noch ne ganze Weile rumlungern.

        Also falls du mal über mich stolperst, nicht dran stören.

  8. Anna-Lena said

    Gefangen

    einfach genial! Kompliment
    von Anna-Lena 😉

  9. vorstadtprinzessin said

    Na das nenn ich doch mal Verwirrung 😉

  10. zeitreisen said

    Hallo Wortmann,

    „Gefangen“ genial, aus der Sicht des Automaten geschrieben. Gefällt mir gut.
    Dennoch hätte ich ein paar klitzer kleine Erbsen. Sag mir bescheit, wenn ich sie dir hier aufschreiben soll.

    Bei Bookrix war ich auch mal, aber ich habe meinen Account gelöscht, weil ich versuchen möchte meinen Geschichten zu verkaufen.

    Liebe Grüße,
    Monika

    • Wortman said

      Du kannst mir auch gerne ein oder zwei dieser Erbsen mailen. Meine Addi steht im Impressum.

      Der Automat hat schon viel Zustimmung bekommen. Bei Bookrix stehen eh nur uralte Sachen drin 😉

  11. […] subjektive Einschätzung. Was mir recht gut gefällt, ist die Geschichte “Gefangen” (HIER zu lesen). Keiner ist nur im Ansatz auf die Lösung bzw. Pointe gekommen. Das hat mich sehr gefreut […]

  12. kru8x said

    Super!
    Hatte viel Spaß beim Lesen. Tolle neue inspirierende Momente für einen guten Start in den neuen Tag.

    Schreibst du aktuell noch welche?

  13. monisertel said

    Hallo Wortmann,
    Stephen King würde sich glücklich schätzen, wenn ihm die kleine Story „Gefangen“ eingefallen wäre!
    Ach was, würde er sie lesen, würde er schwören, sie wäre von ihm!!! 😉
    Liebe Grüße und JA, meine Stippvisite bei Dir hat mir viel Freude gemacht!
    moni

    • Wortman said

      Danke für das Lob, Moni. Das höre ich doch gerne 🙂
      für mich ist das schon etwas besonderes, denn ich habe noch nie eine King – Story gelesen 🙂

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