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Stefans Marionettentheater: Das Interview

Posted by Wortman - 25. August 2020


Seid 28 Jahren betreibt Stefan Schulz die Herstellung von handgefertigten Marionetten die seit 2013 in seinem familiären Marionettentheater im „Haus mit dem gelben Dach“ in Aglasterhausen auftreten. Das liegt ca. 30 km östlich von Heidelberg. Nach mehreren Jahren Reisetätigkeit gelang es ihm im Jahr 2004 sein erstes eigenes Theater zu eröffnen. Für dieses entstanden zahlreiche Geschichten. Bis im Jahr 2012 verschiedene Ereignisse dazu führten, sich ein neues Zuhause für seine Figuren suchen zu müssen. 2014 wurde Stefan Schulz mit der silbernen Ehrennadel des Landesverbandes Amateurtheater Baden – Württemberg für 20 Jahre Theaterarbeit und etwas später auch vom BDAT (Bund Deutscher Amateurtheater) für 25 Jahre ebenfalls mit deren silbernen Ehrennadel ausgezeichnet.
Ich konnte ein Interview mit ihm führen.

Wie bist du dazu gekommen, ein Marionettentheater zu führen?

Angefangen hat Alles quasi mit einer Familienfeierlichkeit. Die Hochzeit meines Bruders! Da in unserer Familie, die eh und je schon eine musisch, künstlerische ist, zu einem solchen Anlass man ja was bieten musste und wir für unsere Eltern bereits ein komplettes Buch und eine Zeitung zu entsprechenden Feierlichkeiten verfasst hatten, bat mich mein Bruder ihm, was damals so üblich war, eine Hochzeitszeitung zu verfassen. Das war mir zu banal und ich hatte die Idee ihm zwei Marionetten als Brautpaar anzufertigen. Aus dieser Idee entstanden mit sogenannten „Probefiguren“ unsere ersten sieben Marionetten, die dann tatsächlich zur Hochzeit vor Publikum aufgetreten sind.

Wie viel Personen arbeiten in Stefans Marionettentheater?

Für normale Vorstellungen sind zwei Puppenführer notwendig. Davon bin immer ich einer und bis jetzt habe ich abwechselnd ca. 5 Kolleginnen, die sich die Spieltermine aufteilen. Für Kasse und Besucherbetreuung sowie die anschließende Bewirtung ist derzeit noch mein Vater zuständig, der auch den Vorverkauf übernimmt.
Daneben gibt es aber noch meinen Haus- und Hoftechniker und zahlreiche Personen, die z.B. unseren Figuren ihre Stimme leihen und bei den Sprachaufnahmen mitwirken.

Was für Stücke werden hauptsächlich gespielt und wie lang sind sie?

Wir spielen ausschließlich eigene Stücke, die schon bei Ihrer Entstehung auf unsere Bühnenverhältnisse eingerichtet werden können. Diese dauern in der Regel 60 Minuten ohne Pause.
Unsere Geschichten beinhalten viel Musik, der unterschiedlichsten Stilrichtungen zu der sich unsere Marionetten singend, tanzend etc. bewegen. Dann gibt es natürlich Dialoge und auch Spezialszenen.
Wenn ein Stück geplant wird, wie lange dauert es, bis es aufgeführt werden kann?
Oh die Realisation eines neuen Stückes bedeutet für mich jede Menge Arbeit, denn da gehört dazu die Geschichte zu schreiben, die Figuren aus Holz und Papp-Mache herzustellen (lange Trockenzeit), diese einzukleiden (mit Hilfe der Nähmaschine), Bühnenbilder und Requisiten in der eigenen Werkstatt anzufertigen. Spezialeffekte zu realisieren. Die Bühne einzuleuchten, Die Sprachaufnahmen und deren aufwändige Bearbeitung, sowie die Musikauswahl, oder zum Teil eigene musikalische Einspielungen.
Das dauert. Da ich inzwischen auch für die Kostüme zuständig bin kann man für eine Neuproduktion so zwischen 1 ½ – 2 Jahren rechnen.
Um das Ganze etwas zu relativieren ich bin zu 100 % berufstätig und muss all die aufgezählten Dinge in der „Freizeit“ erledigen und das neben einem laufenden Spielplan im Theater.

Du schreibst alle Stücke selber. Wo holst du dir deine Inspirationen her?

Das ist unterschiedlich! Zum einen fallen mir zum Beispiel Charaktere ein, die ich gerne einmal als Marionette darstellen würde, zum Anderen Geschichten die viel mit der Realität zu tun haben. Ich vermische oft Phantasie und Realität, was sich im Marionettentheater hervorragend umsetzen lässt und Kinder wie Erwachsene gleichermaßen begeistern kann.
Gibt es so etwas wie eine Ausbildung zum Marionettenspieler oder ist das mehr „learning by doing“?
Sebstverständlich gibt es Ausbildungen zum Puppenspieler und sogar einen Studiengang in Stuttgart, aber viele renomierte Theater bilden ihre Puppenführer z.B. selbst aus (Augsburger Puppenkiste)
Ich selbst habe mir das tatsächlich alleine beigebracht, da unsere Spielkreuze z.B. auch Eigenentwicklungen sind und nichts mit professionellen Spielkreuzen gemeinsam haben.
Meine Art des Spielens gebe ich lediglich an meine Theaterkolleginnen weiter.

Gibt es so etwas wie eine Ausbildung zum Marionettenspieler oder ist das mehr „learning by doing“?

Sebstverständlich gibt es Ausbildungen zum Puppenspieler und sogar einen Studiengang in Stuttgart, aber viele renomierte Theater bilden ihre Puppenführer z.B. selbst aus (Augsburger Puppenkiste).
Ich selbst habe mir das tatsächlich alleine beigebracht, da unsere Spielkreuze z.B. auch Eigenentwicklungen sind und nichts mit professionellen Spielkreuzen gemeinsam haben.
Meine Art des Spielens gebe ich lediglich an meine Theaterkolleginnen weiter.
Was motiviert dich dazu, in einer Zeit, in der Technologie unser Leben bestimmt, einem Beruf/Hobby zu folgen, der/das schon vor Hunderten von Jahren die Menschen fasziniert hat?
Zu Einen muss ich bei dieser Theaterform nicht selbst auf der Bühne agieren (das tut die Marionette stellvertretend für mich) und zum Anderen geht es natürlich auch um die Herstellung – sich was Eigenes nach seinen Vorstellungen schaffen zu können.
Figuren können viel unkomplizierter Inhalte vermitteln, wenn sich das Publikum darauf einlässt. Das Kommunizieren über das Medium Marionette ist etwas ganz Besonderes und hat, wie schon erwähnt, bereits eine lange Tradition.
Wir bieten im Theater eine Symbiose zwischen Handwerk und modernster Technik, d.h. wir sind gar nicht so weit weg von der hochtechnisierten heutigen Welt, obwohl das natürlich auch so seine Tücken hat. Wir wollen natürlich auch Werte vermitteln und das Zuhören, genaue Hinschauen und Mitdenken fördern. Im Zeitalter von Handy und sonstigen Hilfsmitteln ganz und gar nicht einfach.

Welche Geschichte führst du am liebsten auf und warum?

Das mag jetzt komisch klingen, aber ich habe keine Lieblingsgeschichte. Auch wenn ich eine längere Zeit nicht gespielt habe hat diese doch immer wieder ihre ganz eigene Faszination. Selbst wenn die Geschichten unterschiedlich aufwändig sind, da wir mit den Jahren natürlich unsere Aufführungspraxis deutlich verbessert und verfeinert haben.

Erreichst du mit dem Marionettentheater primär Kinder oder sprichst du damit auch Erwachsene an?

Meine Geschichten sind alle so konzipiert, dass sie sowohl Kinder, als auch Erwachsene ansprechen. Leider wird das Marionettentheater immer wieder nur als „Kinderunterhaltung“ abgetan und wie oft ich zu hören bekomme: „Wir würden uns ja auch mal eine Vorstellung ansehen, aber wir haben keine Kinder in dem Alter.“ kann ich schon gar nicht mehr zählen.
Glücklicherweise legt sich das bei denen, die schon einmal eine Vorstellung besucht haben. Da unser Theater auf dem Land liegt und die Besucher aus der eigenen Ortschaft die allerwenigsten sind (Wie ist das mit dem Prophet im eigenen Lande?) muss man mit dem Auto fahren, was natürlich voraussetzt, dass Erwachsene mit zu den Spielterminen kommen.

Hast du eine Lieblingsfigur?

Nein! Auch diese Frage bekomme ich regelmäßig bei unseren Theaterführungen gestellt. Natürlich gibt es Figuren, die man mehr in der Hand hat, da sie Hauptrollen spielen, aber da ich sie alle mit der gleichen Sorgfalt „erschaffen“ habe und da, wie oben erwähnt, jede Menge Zeit drin steckt, egal wie viel Auftrittszeit sie auf der Bühne haben, mag ich jede meiner Figuren und würde keine hergeben.

 

Wer sich gerne weiter informieren möchte, hier geht es zur Homepage: Stefans Marionettentheater

In der Mediathek vom SWR gibt es einen kleinen Bericht über das Theater. Ab Minute 21.50 geht es los. Fernsehbericht.

Bilder: Mit freundl. Genehmigung von Stefan Schulz.

Wenn ihr also einmal im Großraum Heidelberg seid, dann macht unbedingt einen Abstecher nach Aglasterhausen.
Danke auch an Rina und Aequitas für die Denkanstöße bei den Fragen.

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Es lebe die Tradition

Posted by Wortman - 1. August 2020

Immer schön, wenn eine alte Tradition am Leben erhalten wird – auch in moderner Form 🙂

Bild: T.R. aka Wortman

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Die geheimnisvolle Insel Teil 11

Posted by Wortman - 25. Juli 2020

6
Der Schwarze Herzog

Es klopfte an der Kajütentür.
„Sir“, hörte Alexander Black die dumpfe Stimme, „es gibt neue Entwicklungen, die Farragut läuft aus.“
„Ich komme gleich!“, rief er und setzte sich im Bett auf, „hol Madame Isadora aus ihrer Kajüte und bring sie her.“
„Ai, Sir.“
Er hörte wie sich sein Adjutant Alou im Laufschritt entfernte und erhob sich. Ein schadenfrohes Grinsen überzog sein ebenmäßiges Gesicht. Alou war ein schwarzer Riese, den er aus der Gefangenschaft befreit hatte, aber vor Madame Isadora zitterte er, wie ein kleines Kind. Es bereitete ihm einen diebischen Spaß Alou immer wieder mit dieser Angst zu konfrontieren und ihm seine Überlegenheit zu demonstrieren.
„Los, Schlampe“, knurrte er das Mädchen in seinem Bett an und riss ihr das Laken weg, „verschwinde.“
Das Mädchen setzte sich schlaftrunken auf. Das Lacken rutschte von ihren Schultern und gab ihren nackten Körper frei. An einigen Stellen konnte man dunkle Blutergüsse und Kratzer sehen, die gerade verschorften.
„Aber Sir“, sagte sie.
Alexander schlüpfte gerade in die glänzend gewienerten Stiefel. Das silberne Haar fiel ihm ins Gesicht. Er hob den Kopf und seine seltsamen hellgrauen Augen warfen dem Mädchen einen Blick zu, der sie verstummen ließ.
„Du wagst es, das Wort an mich zu richten“, seine Stimme war scharf wie Glas. Er richtete sich auf. Mit geschickten Fingern nahm er sein Haar zusammen und band es in einem dicken Zopf zusammen. Das Mädchen sah ihn mit schreckgeweiteten Augen an, versuchte ihre Blöße mit dem Laken zu bedecken.
„Steh auf!“, er betonte jede Silbe.
Das Mädchen verließ das Bett. Zitternd mit gesenktem Kopf stand sie da. Das lange dunkle Haar reichte bist auf ihre Hüften.
„Glaubst du, weil ich dich gefickt habe, hat sich etwas an unserer Absprache geändert?“
Sie wollte gerade den Mund öffnen, als sie ein leises Geräusch hörte, den kalten Stahl spürte, der in ihren Körper eindrang. Beinahe geräuschlos sank sie zusammen.
„Ich hätte ihr doch die Zunge rausschneiden sollen“, murmelte Alexander.
Es klopfte.
„Ja?“
„Madame Isadora, Sir“, hörte er Alou.
Die Tür wurde geöffnet. Alou führte die Hexe in die Kajüte. Er blieb in sicherer Distanz. Bei jedem Blick, den sie ihm zu warf, machte er ein Kreuzzeichen. Alexander hatte ihm zwar erklärt, dass er schon längst seine Seele an den Teufel verkauft hatte, aber das änderte nichts an Alous Schrecken.
„Nun, Madame Isadora, wie ich sehe, geht es euch gut“, sagte Alexander mit einem süffisanten Grinsen. Er gab Alou ein Zeichen mit dem Kopf in Richtung des Mädchens. „Räum sie weg“, und zu Madame Isadora gewandt, „sagt was ihr braucht, der Rest geht an die Fische.“
Isadora zog die Augenbrauen hoch.
„Zunge, Augen, Ohren und ungefähr eine Flasche Blut“, zählte sie auf.
Alou zog den Dolch aus dem Herzen der Leiche, säuberte ihn mit einem Tuch und legte ihn seinem Herrn auf den Schreibtisch, dann hob er den leblosen Körper auf und brachte ihn hinaus. Armes Kind, dachte er, noch so jung, aber wenn der Herr sie braucht, um sich gut zu fühlen, wer bin ich ihn deswegen zu tadeln.
„Nun Madame Isadora, setzt euch.“
Alexander deutet auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Die Hexe setzte sich.
„Bolger ist unter Segel und unterwegs. Nachdem, was mir berichtet wurde, scheint er nicht auf Kapertour zu sein.“
„Und ich soll euch sagen, wo er hin fahren wird?“, fragte die Hexe.
„Es geht um eine Karte. Das heißt, es handelt sich wahrscheinlich um eine Insel. Ein Schatz wäre zu banal. Da muss etwas anderes dahinter stecken.“
„Ich werde mich darum kümmern“, sagte Isadora. Sie stand auf und verließ die Kabine. Draußen im Gang stand Alou mit einer Schüssel voller Blut und einem Leinensack. Wortlos nahm die Hexe den Sack und die Schüssel und machte sich auf den Weg in ihre Kabine. Alou machte ein Kreuzzeichen als sie ihm den Rücken zukehrte.
In ihrer Kabine bereitete sie alles vor um einen Winddämon zu rufen. Mit dem Blut malte sie seltsame Zeichen und Worte auf den Kabinenboden. Ein Teil des Blutes goss sie zwischen die Worte am Boden. Danach mischte sie Blut und einige Zutaten in einem Becher und fing an in einer unbekannten Sprache zu singen. Isadora setzte sich auf den Boden, trank den Becher aus und mit schwingenden Armbewegungen sang sie weiter in dieser Sprache. Plötzlich erschien ein leichter Nebel über den Boden.
„Dämon, nimm diese Augen um zu sehen was ich sehen will.“
Damit warf sie die Augen des Mädchens in den aufkommenden Nebel. Darauf folgten die Ohren.
„Nimm diese Ohren, damit du hörst, was ich hören will.“
Zum Schluss warf die Hexe die Zunge auf den Boden.
„Nimm diese Zunge und spreche, was ich sprechen will.“
Der Nebel bekam Umrisse. Es wirkte wie eine dünne menschliche Gestalt. Die Hexe hörte mit dem Gesang auf.
„Reite mit den Winden und finde Bolgers Schiff. Ich sehe und höre was du siehst und hörst. Finde ihn schnell!“
Die Gestalt zerfiel und der Nebel entwich durch das geöffnete Fenster. Er verharrte kurz und verschwand in der Dunkelheit.
Die Hexe stand auf und machte sich auf den Rückweg zur Kapitänskajüte.
Isabell dachte an den die Quelle des Paradieses, die sich laut den Legenden dort befinden sollte. Niemand wusste davon, nicht einmal Alexander. Sie hatte dieses Geheimnis sorgsam mit einem Zauber verborgen. Einmal daraus trinken und ich könnte von allem frei sein, ging es ihr durch den Kopf, der Fluch, der mich an diesen Wahnsinnigen fesselt wäre gebrochen.
Die Hexe klopfte an die Kajütentür.

© Caroline Susemihl / T.R. aka Wortman

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Die geheimnisvolle Insel Teil 10

Posted by Wortman - 22. Juli 2020

„Ich gehe wohl recht in der Annahme, dass ihr den Namen Halpin weiter tragen und auch so angeredet werden wollt, oder?, fragte Bolger.
„So ist es Andrew. Es muss nicht jeder wissen wer ich wirklich bin.“
„Das kleine Ding hat sicherlich noch größere Verwandtschaft. Was kann diese Kreatur anrichten?“
„Nein“, konterte Halpin, „Es gibt keine großen Verwandten. Diese Wesen sind so klein. Die Eingeborenen auf der Insel nennen sie Darys Visna, die Götter der Toten und Alptraum der Lebenden!“
John schaute etwas irritiert. „Was ist das für eine Bezeichnung?“
Halpin setzte sich auf einen der Stühle. „Sie fressen sich durch die Haut und fressen einen von innen heraus auf. Wenn derjenige stirbt, fressen sie sich wieder nach außen um ein neues Opfer zu finden. Daher der Begriff Götter der Toten, da sie aus ihnen heraus brechen. Der Alptraum der Lebenden erklärt sich von alleine. Zum Glück sind sie tagaktiv. Sonst würde wohl niemand mehr schlafen auf der roten Insel.“
„Rote Insel?“ Bolger und sein Quartiermeister fragten fast gleichzeitig. Dieser Begriff war ihnen nicht unbekannt. Schauermärchen gab es von dieser Insel. Sie sei so rot, weil das Blut eines Dämons dort vergossen worden war. Selbst das Wasser war zeitweilig rot. Krokodile in Menschengestalt streiften über die Insel und töteten alle, die diese Insel betraten. Im Inneren der Insel saß ein weiterer Dämon der eine Truhe mit einer wundersamen Waffe bewachte.
„Diese Insel ist ein Schauermärchen um Kindern Angst zu machen. Ein Hirngespinst. Niemand hat bisher diese Insel gesehen. Sie ist und bleibt ein Märchen,“ sagte Bolger im Brustton der Überzeugung.
Halpin griff in seine Manteltasche und holte eine kleine Rolle hervor.
„Was ist das,“ fragte John.
Andrew Bolger nahm die Rolle und breitete sie auf dem Tisch aus. Es war die Karte einer Insel, diverse Markierungen und Zeichen waren dort eingezeichnet.
„Captain Valmont, wollt ihr behaupten, dass wäre die Lagekarte der roten Insel?“, Bolger lehnte sich vor und betrachte die Karte stirnrunzelnd, „warum ist sie auf so seltsames Leder gemalt?“
„Das ist die rote Insel. Dort findet sich die Waffe um den Schwarzen Herzog ein für alle Mal auszulöschen.“ Halpin grinste selbstzufrieden. „Und das ist kein seltsames Leder, Andrew. Das ist Menschenhaut!“
„Menschenhaut?“ Bolgers Gesichtszüge sprachen Bände.
„Ja, Menschenhaut“, widerholte Halpin, „sie war einem Seemann auf den Rücken tätowiert. Als er das Zeitliche segnete, haben meine Männer ihm die Karte abgenommen.“
John verzog angewidert das Gesicht.
„Wenn die Insel tatsächlich existiert und wir eine Chance haben, den Herzog zu erledigen, dann lasst uns segeln!“, Bolger schlug mit der Faust auf den Tisch.
John betrachtete die glänzenden Augen der Männer skeptisch. Auch er wollte nichts lieber als den schwarzen Herzog am höchsten Mast hängen sehen, andererseits fragte er sich, welches Ziel Halpin verfolgte, nachdem der anfangs nicht besonders zugänglich gewesen war. John befürchtete, dass Bolger von dem unglückseligen Fieber des Alten angesteckt wurde, und nicht mehr klar erkennen konnte, welchen Zweck sie verfolgten.
Er glaubte nicht an die Ammenmärchen, die man über die Insel erzählte, aber dieses kleine rosa Ding, flößte ihm einen gewissen Respekt ein. Noch nie hatte er so ein merkwürdiges Wesen gesehen.
„Nun Mister DeMoor, ich habe den Eindruck ihr seid nicht begeistert?“, Captain Bolger sah seinem Quartiermeister die Vorbehalt an. „Es geht das Gerücht, der schwarze Herzog hat sich die Dienste einer üblen Hexe gesichert. Ich denke, wir können jede Hilfe gebrauchen, die wir kriegen können.“
„Ja, Sir“, erwiderte John, „ich hörte davon. Madame Isadora.“
„Dann sollte vor ihr auf der Hut sein“, Halpin legte die Stirn in Sorgenfalten. „Mit der Hexe ist nicht zu spaßen. Sie hat einst die Aurora in einen Sturm gejagt, der uns beinahe auf den Grund des Meeres gebracht hätte, wenn wir nicht einen so ausgezeichneten Steuermann gehabt hätten.“
John wollte noch etwas sagen, aber Captain Bolger ließ ihn nicht zu Wort kommen.
„Sagen sie der Mannschaft wir setzen Segel, Mister DeMoor!“
John nickte.
„Ja, Sir. Was soll ich mit dem Fremden anstellen? Unter Arrest setzen?“
Bolger lachte.
„Auf See kann er uns nicht entkommen und ein paar kräftige Hände mehr schaden nicht. Sie sind für ihn verantwortlich und behalten ihn im Auge!“
„Verstanden, Sir.“
John nickte und verließ die Kajüte des Captains.
An Oberdeck wartete Morris auf ihn.
„Was passiert jetzt mit mir?“
„Der Captain sagt, zwei helfende Hände können wir gebrauchen.“ John grinste Morris an. „Geh mit an die Ankerwinde. Wir segeln los.“
DeMoor gab einige Befehle. Der Bootsmann rief sie weiter über das Oberdeck. Die Männer kletterten in die Wanden und die Ankerkette wurde hochgezogen. Nachdem die Segel gesetzt waren, setzte sich das Schiff in Bewegung.
Als Bolger und seine Crew anfingen, war diese Brigg mit 12 Kanonen bestückt gewesen. Jeder hatte einen Teil seiner Prise gespendet und so wurde die Farragut im Laufe der letzten zwei Jahre auf 18 Kanonen erweitert. Das war eine gute Feuerkraft. Bolgers Siege veranlassten den ein oder anderen Handelskapitän dazu, sich zu ergeben, wenn Bolgers Flagge hochgezogen wurde.
Morris gesellte sich zu John.
„Wohin geht die Reise?“
„Sei nicht so neugierig Morris“, antwortete John. „Ich hoffe, du bist wenigstens geschickt im Umgang mit Waffen oder liegt dir mehr das Kanonieren?“
„Ich bleibe bei den Waffen.“
Morris hatte es fast vergessen, dass er sich auf einem Piratenschiff befand. Er war sich sicher, das hier war keine reine Kaperfahrt. Er hatte den alten Mann bisher noch nicht wieder gesehen. Was immer mit diesem Halpin war, er musste die Ohren aufhalten. Dieser Halpin schien eine Schlüsselposition inne zu haben.
Der Tag verlief ohne Zwischenfälle. Das zeigte Morris, sein Verdacht war richtig. Es ging um mehr als nur um die Jagd auf Handelsschiffe.

© Caroline Susemihl / T.R. aka Wortman

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